Ein Besuch bei Eckhart Tolle als Geburtstags-Geschenk


Am Sonntag, dem 27. September 2015, war ich mit meiner Frau bei einem Vortrag von Eckhart Tolle in Karlsruhe in der Schwarzwaldhalle – ein Geburtstags-Geschenk von ihr. Wenn Sie Eckart Tolle noch nicht kennen, rate ich Ihnen dringend, seinen Namen zu Googeln und sich ein paar Videos auf YouTube anzuschauen oder seine Bücher zu lesen.

Eckhart Tolle ist ein bedeutender spiritueller Lehrer, der ohne irrationalen oder ideoligischen Firlefranz grundlegende Fragen unseres Lebens und allen Seins beantwortet. Mit messersscharfem Verstand führt er die Zuhörer immer wieder an die Grenzen des Denkens und verweist darauf, dass bestimmte Dinge weder mit dem Verstand erfasst, noch mit Worten beschrieben werden können.

Worte sind Wegweiser

“Worte sind Wegweiser” lautet entsprechend der Titel eines seiner bekannten Autorenwerke.
“Jetzt”, der Titel eines anderen, mit dem er auch bekannt und zum Bestseller-Autor wurde.

Kernaussage dieses Buches und seiner gesamten Lehre ist, dass das Leben immer nur im “Jetzt” stattfinden kann und Vergangenheit und Zukunft irreale Konstrukte des Verstandes sind, in denen wir uns oft viel zu lange aufhalten. Und wenn man sich das mal bewusst macht, stellt man fest, dass es stimmt.

Wir neigen dazu, uns über die Vergangenheit zu beklagen oder um die Zukunft zu sorgen. Dabei verpassen wir das, was gerade jetzt ist, wir “verpassen das Leben selbst”.

Ein paar Worte zur Veranstaltung:

Vieles war anders als woanders

Schon beim Anstehen vor dem Gebäude konnte man feststellen, dass man nicht auf dem Weg zu einer gewöhnlichen Veranstaltung war.

Während sich nämlich im Regelfall bei solchen Zusammenkünften eine Menschentraube bildet, bei der jeder versucht, sich möglichst schnell an allen anderen vorbei nach vorne zu drängeln, bildeten die 3000 Teilnehmer hier diszipliniert und ruhig eine mehrere 100 m lange Schlange, an die sich jeder, der neu hinzukam, brav hinten anstellte.

Vor der eigentlichen Veranstaltung gab es meditative Live-Musik, um die Teilnehmer in die passende Stimmung zu bringen.

Massen-Wirkung mit einfachsten Mitteln

Drinnen wartete keine aufwändige Show auf die Besucher, keine akrobatischen Einlagen, keine bombastischen Sensationen welcher Art auch immer.

Alles, was diese Veranstaltung zum Gegenstand hatte, war ein einzelner netter älterer Herr, der auf der Bühne saß und sprach.

Er allein hat nur an diesem einen Tag etwa 3000 Menschen angelockt und damit geschätzte 300.000 Euro umgesetzt.

Genug Anerkennung für viele Egos

Obwohl dieses riesige Interesse an einem einzelnen Mann hervorragend dazu geeignet wäre, gleich 100 Egos auf einmal zu nähren, ist es genau das, was man bei Eckhart Tolle nicht finden kann und was auch ein wesentlicher Bestandteil seiner Lehren ist:

Dem Ego keine Chance! “Mein Haus, mein Boot, mein Auto.” – Nicht mit Eckhart Tolle!

Der Mensch neigt dazu, in die Zukunft zu streben und immer mehr Dinge anzuhäufen, die ihn aber – wenn überhaupt – immer nur für kurze Zeit zufrieden stellen. Ein Weg, der nie zu dauerhaftem Glück führt. Glück und Erfüllung finden sich nämlich – Sie ahnten es bereits – immer nur im Jetzt und Hier, in der Stille des gegenwärtigen Moments.

Der Mensch ist reines Bewusstsein

Und seine Aufgabe ist es, sich dessen bewusst zu sein. Der Mensch ist nicht die Geschichten, die er sich über sich selbst erzählt. Er ist auch nicht die Geschichten, die andere über ihn erzählen. Er ist nicht “sein Haus, sein Boot, sein Auto”. Er ist nicht seine Macken und Marotten, nicht seine Weltanschauung.

Er ist auch nicht sein Körper, wie viele Wissenschaftler behaupten – übrigens höchst unwissenschaftlich, wenn man genauer darüber nachdenkt. Denn wie kann der Mensch nur sein Körper sein, wenn doch klar ist, dass er unersetzbarer Teil eines unermesslichen Ganzen ist, das jenseits von Zeit, Raum und Form existiert? Der Mensch in seiner Essenz ist als Teil dieses unermesslichen Ganzen ebenfalls jenseits von Zeit, Raum und Form. Er ist in seiner Essenz reines Bewusstsein.

Ich denke, also bin ich

… stellte René Descartes,schon 1641 fest. Das aber, was ich bin, kann ich mit dem Denken nicht begreifen. Vor allem aber bin ich in meiner Essenz nicht das, was ich denke. Und ich bin auch ohne zu denken – was auch immer es sei, was ich bin.

Aber es stimmt schon: Egal was ich bin – ob ich real bin oder träume – egal, was die Wirklichkeit ist und egal, ob es die Wirklichkeit überhaupt gibt: Ich bin mir meiner Selbst bewusst, also muss ich in irgend einer Form sein!

Gott

Eckhart Tolle zitiert zwar immer wieder auch Jesus, vermeidet aber den Begriff “Gott”, weil er meist falsch und missbräuchlich verwendet wird.

Ich persönlich bevorzuge ebenfalls in diesem Sinne Begriffe wie “Universum”, “universelles Bewusstsein”, “universelle Intelligenz”, “Ewigkeit” oder “Unendlichkeit”. Oder die Stille und das “Nichts”, aus dem alles hervorging, in dem alles existiert und in dem alles zu allem gehört. Und in dem das Ganze nichts ist ohne sein kleinstes Teil.

Fazit

Obwohl Eckhart Tolle enorm wichtige Dinge lehrt – vielleicht die wichtigsten Dinge überhaupt im Leben eines Menschen – muss man sich selbst um dieses Wissen bemühen. Zumindest in der westlichen Kultur lernt man sie weder in der Schule, noch im Elternhaus. Diese Dinge sind einfach (noch) nicht Teil unserer Kultur und unseres Bewusstseins.

Und auch in der Weltpolitik und in den Medien sucht man diese Lehren meist vergebens. Hier geht es eher ums “Recht haben” und ums “Recht bekommen”, um materielle Errungenschaften oder Ideologien um Machtspielchen von Psychopathen.

Mit viel Glück hat man jemanden im Bekanntenkreis, der einem darauf aufmerksam macht, dass es noch etwas anderes gibt als das, was man sehen und anfassen kann. Und dass es keiner Religion bedarf, um sich damit zu beschäftigen.

In diesem Sinne: Nutzen Sie meinen Hinweis, falls er für Sie neu ist, um sich fortan auch den Dingen zuzuwenden, die Ihnen nicht täglich in den Nachrichten präsentiert werden.