Gegenseitige Vorwürfe – wer ist der Böse?

Unternehmer werfen Angestellten oft vor, dass sie unmotiviert und ohne Interesse an ihrer Arbeit sind und dass sie unverschämte Forderungen stellen. Angestellte organisieren sich in Gewerkschaften, um gemeinsam gegen die vermeintliche Ausbeutung durch die Arbeitgeber zu kämpfen.

Das Problem an der Sache ist – wie so oft im Leben – dass jeder die Situation nur aus seiner eigenen Perspektive betrachtet.

Unterschiedliche Interessen

Tatsache ist, dass ein Unternehmer völlig andere Interessen verfolgt als ein Angestellter. Der Unternehmer brennt im Idealfall für sein Unternehmen, nicht selten ist es seine Lebensaufgabe. Er kann damit seine eigenen Visionen verwirklichen und seinem Leben aus seiner Sicht eine Bedeutung geben.

Die meisten Angestellten hingegen hassen ihren Beruf und sind froh, wenn sie nach 8 Stunden Qual endlich nach Hause gehen dürfen oder wenn endlich das ersehnte Wochenende naht – oder die Ferien.

Sie wollen eigentlich etwas anderes tun, wissen aber oft nicht was, zumindest aber möchten Sie nicht das tun, was derzeit ihre Arbeit ist. Die einzige Motivation hierfür ist die regelmäßige Einnahme-Quelle und die vermeintliche Sicherheit.

Motivation – woher nehmen, wenn nicht stehlen?

Entsprechend muss der Unternehmer erkennen, dass er hier sehr viel Kreativität entwickeln muss, um seine Angestellten für die eigenen Ideen zu begeistern, auch wenn es nur ein ganz kleines Bisschen ist! 😉

Es muss ihm einfach klar sein, dass seine eigene Vision nicht die seines Angestellten ist und wahrscheinlich auch nie sein wird.

Zumindest aber kann er im Rahmen seiner Möglichkeiten und im eigenen Interesse dafür sorgen, dass sich der Angestellte wohl an seinem Arbeitsplatz fühlt und ihm die üblichen Störfaktoren wie Mobbing oder mangelnde Wertschätzung erspart bleiben.

Beide Seiten der Medaille

Als heutiger Unternehmer und früherer Angestellter kenne ich beide Seiten der Medaille.

Ich darf wohl mit Fug und Recht behaupten, einer der schlechtesten Bankangestellten aller Zeiten gewesen zu sein.

Die ganze Materie interessierte mich – gelinde gesagt – einen feuchten Kehricht und ich machte auch keinen Hehl daraus. Ich ließ meine Vorgesetzten wissen, dass ich so wenig wie möglich Neues hinzu lernen und möglichst immer die gleiche Tätigkeit ausführen wollte.

Ich wollte meinen Kopf frei halten für Dinge, die mich wirklich interessierten und ihn nicht mit „Müll“ zuschütten. Mein Kopf weigert sich beharrlich, Wissen aufzunehmen, das er als „unnütz“ einstuft.

Der Filter im Kopf

Heute lerne ich ständig neue Dinge hinzu und es fällt mir leicht, weil mich diese Dinge interessieren und ich sie mir selbst ausgesucht habe. Aber wenn mir früher jemand Einzelheiten über die Abrechnung von Wertpapieren erklären wollte, überkam mich das kalte Grausen, ebenso wie noch heute, wenn ich mich mit Steuer, Versicherung oder Rechtsfragen beschäftigen muss.

Mit solchen Mitarbeitern aber – wie ich einer war – muss der Unternehmer leben!

Ich wage tatsächlich zu behaupten, dass das die meisten Menschen eigentlich keine Lust auf Ihrem Beruf haben und entsprechende Flaschen darin sind. Dies gilt zum Beispiel auch für Ärzte, was mitunter tödliche Folgen hat, aber das ist eine andere Geschichte.

Wer kann, was er vorgibt zu können?

Nicht selten komme ich heute selbst in die Situation, dass ich einzelne Arbeiten delegieren möchte und dabei immer wieder feststellen muss, dass manche Leute die Dinge, die sie als Dienstleistung anbieten, schlicht und ergreifend nicht oder nur sehr schlecht können.

In manchen Fällen spielt sicherlich mangelnde Intelligenz eine Rolle, oft ist es aber auch nur die falsche Einstellung: Die Betreffenden denken nur ans Geld Verdienen, aber nicht daran, dass der Auftraggeber einen Nutzen aus der beauftragten Arbeit ziehen möchte.

Der Web-Desiger, der keiner war

Ich wollte z.B. einen „Web-Designer“ engagieren, damit er für mich eine meiner Webseiten neu aufsetzen sollte. Aber das, was er mir als „Design“ anbot, war so abartig und völlig daneben, dass es schlicht und ergreifend nicht zu verwenden war.

Nachdem ich ihm dann 2-3 Mal Änderungs-Anweisungen gegeben habe, es aber noch immer nicht besser wurde, fragte er schließlich ungeduldig, wie oft er denn noch nachbessern müsse …

Irgendwie hat er nicht verstanden, dass das, was er mir anbot, nicht nur keinerlei Wert für mich hatte, sondern mich im Gegenteil viel Zeit kostete und ich es besser gleich selbst gemacht hätte. Er hatte nicht den Kundennutzen im Blick, sondern nur seinen Verdienst und seinen Aufwand.

Fazit

Ob der Chef ein Ausbeuter ist oder der Mitarbeiter ein völlig unfähiger Idiot, lässt sich wohl nur im Einzelfall beurteilen und auch da dürften die Meinungen dann wohl auseinander gehen.

Wenn der Arbeitnehmer aber erkennt, dass es seinen Arbeitsplatz und damit seine Einnahme-Quelle nicht gäbe, wenn der Unternehmer ihn nicht geschaffen hätte und wenn er ferner erkennt, dass nur gute Arbeit – auch seine – das Unternehmen letztlich am Leben erhalten kann, kann er damit eine bessere Einstellung für seine Arbeit gewinnen.

Wenn nun der Unternehmer noch erkennt, dass er vom Mitarbeiter zwar verlangen kann, dass er für den gezahlten Lohn Qualitätsarbeit abliefert, aber nicht, dass er ebenso für das Unternehmen brennt wie der Unternehmer selbst, dürfte auch er sich mehr entspannen können.

In jedem Fall ist beiden Seiten zu wünschen, dass der Arbeitnehmer sich selbst aus freien Stücken für seine Rolle entschieden hat und nicht eigentlich ein verkappter verhinderter und damit frustrierter Unternehmer ist.

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